In der Welt der Primaten gibt es eine Vielzahl von Arten mit unterschiedlichen Merkmalen und Verhaltensweisen. Einige Affenarten zeichnen sich durch besondere Merkmale aus, wie beispielsweise die markante Nase der Nasenaffen oder die bunte Färbung der Mandrills. Allerdings können Affen auch ihren natürlichen Haarschmuck verlieren, was oft Anlass zur Besorgnis gibt. Dieser Artikel beleuchtet die Ursachen für Haarausfall bei Affen und stellt einige interessante Arten vor.
Nasenaffe mit seiner markanten Nase
Haben Primaten weniger Haare im Zoo, versuchen Zoogegner meist schnell, dies den Haltungsbedingungen anzukreiden. Der Mechanismus bei Anti-Zoo-Propaganda ist einfältig: Tiere, die sich außerhalb von dem verhalten oder anders aussehen, als Laien es erwarten, werden gleich als gequälte Individuen verkauft, deren angebliches Leid man beenden müsse, indem man Anti-Zoo-Organisationen spende. Immer wieder fallen Privatleute, Organisationen und Medien darauf rein. Daher wird die Masche so häufig angewendet.
Die Wirklichkeit aber ist viel komplexer. Die Erklärung der Tierrechtsindustrie, die ohnehin jede Form der Tierhaltung beenden will und deshalb gerne gegen Halter hetzt, ist im Wesentlichen immer gleich. Die Wissenschaft weißt aber nicht erst seit Novak & Meyer (2009), dass es eigentlich ganz anders ist. So kann Stress eine Ursache sein, aber eben auch nur eine mögliche von sehr, sehr vielen möglichen.
Die Studienautoren erklären, es handele sich bei Haarausfall um „eine vielschichtige Erkrankung mit vielen möglichen Ursachen“. Es sei weder beim Menschen, noch bei Primaten generell vollständig verstanden. Es gibt viele Auslöser. Die Studienautoren erklären, es handele sich bei Haarausfall um „eine vielschichtige Erkrankung mit vielen möglichen Ursachen“.
Zum Thema Stress erklären die Autoren nochmal deutlich, dass es derzeit „wenn überhaupt, nur wenige Beweise für einen direkten Zusammenhang zwischen Stress und Alopezie [=Haarausfall] bei nicht-menschlichen Primaten“ gebe, „und es sind sicherlich keine mechanistischen Informationen verfügbar“. Sie fügen an, dass Steimetz et al. Dazu weisen Novak & Meyer daraufhin, dass sie bis zur Veröffentlichung der Studie auch von keinem Fall wüssten, indem psychoaktive Medikation zu einer Verringerung des Haarausfalls bei nicht-menschlichen Primaten geführt habe.
Stress ist also eine mögliche Ursache, aber ist in der Wissenschaft lange nicht so gesichert, wie sich das mancher Laie vorstellt oder es die Tierrechtsindustrie der Öffentlichkeit weismachen will. Daher ist bei solchen anscheinend einfachen Erklärungen, die Zoogegner für diesen Zustand verkaufen wollen, mehr als vorsichtig zu sein und sogar von ihnen Abstand zu nehmen.
Wer also einen Schimpansen oder anderen Primaten mit weniger Haaren sieht, sollte nicht den Fehler machen und denken, dass dies automatisch etwas mit schlechter Haltung in dem jeweiligen Zoologischen Garten zu tun hat. Wenige Haare bedeuten auch nicht, dass das Tier leidet oder gerade krank ist. Sowohl bei einem Gorilla, Orang-Utan und Schimpansen wurde schon Haarausfall aufgrund von Schilddrüsenunterfunktion beschrieben, die Tiere wurden erfolgreich behandelt und gesundeten, aber beim Schimpansen kehrten die Haare erstmal nicht zurück.
Statt also gleich von Tierquälerei zu schwadronieren, macht es Sinn mit der Verantwortlichen respektvoll ins Gespräch zu kommen, statt wilde Theorien aufzustellen oder Symptome zu googeln. Letzteres macht einfach keinen Sinn. Besonders sollte man nicht irgendwelchen Medien glauben, die nur unkritisch die kruden Theorien von Tierrechtsorganisationen, die bekannt für ihren Hass gegen Zoos sind, reproduzieren.
Aktuelle Aufnahmen belegen, dass die im Zoo Magdeburg eingesperrten Schimpansen noch immer Symptome schwerer psychischer Belastungsstörungen aufweisen. Bei einem Besuch der Tierrechtsorganisation Great Ape Project Anfang August 2023 machten die auf nacktem Boden oder auf eingebauten Klettergerüsten herumsitzenden Tiere einen ausgesprochen lethargischen Eindruck. Einige von ihnen hatten auffällig kahle Stellen auf dem Kopf, der Brust und im hinteren Schulterbereich; manche waren mittlerweile fast vollständig haarlos.
Im Frühjahr 2023 hatten Medien berichtet, dass sich die Schimpansen beim sogenannten „Over-Grooming“ die Haare ausreißen. Diese Verhaltensstörung deutet auf erhebliches, anhaltendes Leid hin. Deshalb hatten wir von PETA Deutschland im Juli 2023 gegen die vorherige Einstellung des Ermittlungsverfahrens bei der Generalstaatsanwaltschaft Naumburg Beschwerde eingelegt.
Seit etwa zwei Jahren ist die zehnköpfige Schimpansengruppe im Zoo Magdeburg ausschließlich in einem Innengehege untergebracht. Im August 2021 haben wir von PETA Deutschland Strafanzeige gegen die Zoo-Verantwortlichen erstattet, denn laut den Vorgaben des Bundeslandwirtschaftsministeriums für die Haltung von Säugetieren müssen die Menschenaffen auch Zugang zu einem Außengehege haben.
Laut Medienberichten sind die Tiere aus Sicherheitsgründen dauerhaft innen eingesperrt, da im September 2019 zwei der Schimpansen aus dem Außengehege ausgebrochen waren. Dabei war das 3,1 Millionen teure neue Schimpansenhaus in Magdeburg erst 2014 eröffnet worden. Bei diesem Neubau wurden an der Außenanlage hölzerne Palisaden errichtet, in denen sich im Laufe der Jahre kleine Löcher bildeten. Die Schimpansen nutzten das als Möglichkeit, an den Palisaden hochzuklettern und auszubüxen. Seitdem sind die Tiere ausschließlich im Innengehege eingesperrt, um weitere Ausbrüche und Unfälle zu vermeiden.
Die Mängel sollen nun durch einen weiteren Neubau bis 2023 behoben werden, der die Stadt erneut knapp zwei Millionen Euro kosten würde. Im September soll im Stadtrat voraussichtlich über die Baupläne entschieden werden. Wir kritisieren die jahrelange Untätigkeit von Behörden und Zoo-Verantwortlichen und fordern, schnellstmöglich eine Lösung zu finden, damit die Schimpansen zumindest nicht weiter drinnen ausharren müssen.
„Es ist ein Verbrechen, Menschenaffen einzusperren. Sie sind unschuldige Gefangene, die frei sein wollen - Ausbruchversuche wie 2019 in Magdeburg verwundern daher nicht. Es ist absolut inakzeptabel, dass hier nicht längst eingeschritten wurde und die Tiere sogar noch mindestens weitere zwei Jahre in dem Schimpansen-Gefängnis eingekerkert bleiben sollen. Stattdessen sollte der Zoo die Schimpansenhaltung grundsätzlich beenden.“
Eine artgerechte Haltung von Menschenaffen - unseren nächsten Verwandten im Tierreich - ist in der Gefangenschaft von Zoos nicht möglich. Die Bedürfnisse von Menschenaffen sind so komplex, dass ihnen kein Zoo einen artgerechten Lebensraum bieten kann: In der Natur leben Schimpansen in Gruppen mit flexibler Sozialstruktur zusammen, die zeitweise mehrere Dutzend Tiere umfassen können. Für Menschenaffen ist es psychisch extrem belastend, zu einem „Leben“ in Gefangenschaft gezwungen zu sein.
Ausschlaggebend ist hierbei die Gefangenschaftssituation an sich und nicht die konkreten Haltungsbedingungen: Auch bauliche Änderungen wie vergrößerte Gehege können die systembedingt mangelhafte Haltung und das damit einhergehende Tierleid nicht auflösen. In Zoos entwickeln sie daher oft deutliche Verhaltensstörungen wie Selbstverstümmelung, zwanghaftes Hin- und Herschaukeln des Oberkörpers und das Verzehren der eigenen Exkremente.
Schimpanse im Zoo
Die Nasenaffen erhielten ihren Namen wegen der typischen gurkenförmigen Nase der männlichen Tiere. In jungen Jahren noch recht gewöhnlich, wird die Nase mit zunehmendem Alter länger und knolliger. Die Weibchen haben hingegen relativ kleine Stupsnasen. Auch der Bauch von Nasenaffen ist auffällig: Der Magen der Nasenaffe ist im Verhältnis zu anderen Affenarten etwa doppelt so groß, sodass der Bauch aufgebläht erscheint.
Die Kopfrumpflänge der männlichen Tiere liegt zwischen 73 und 76 Zentimetern, ihr Schwanz ist 66 bis 67 Zentimeter lang. Weibchen sind etwas kleiner und leichter: sie wiegen etwa 10 Kilogramm, während die Männchen zwischen 20 und 24 Kilogramm auf die Waage bringen. Das Fell der Nasenaffen ist von einem hellen Braun. Das Bauchfell ist heller als das Rückenfell, auch zu beiden Seiten des unbehaarten Gesichts ist das Fell etwas heller. Arme ab Ellenbogen und Beine ab etwa dem Oberschenkel bzw. Knie sowie die Hände und Füße der Nasenaffen sind grau. Neugeborene haben ein spärliches, schwärzliches Fell und blaue Gesichter. Im Alter von etwa vier Monaten ist das Fell braun geworden, das Gesicht behält jedoch bis zu ein Jahr lang einen blaugrauen Schimmer.
Heimat der Nasenaffen ist die südostasiatische Insel Borneo. Die dortigen Bewohner nennen die Nasenaffen „Bekantan“ oder umgangssprachlich „Monyet Belanda“ - Holländeraffen, weil sie meinen, die roten Nasen ähneln denen sonnenverbrannter Europäer.
Sie sind vorwiegend in Ufer- und Flusswäldern, Küsten-Tieflandwäldern, einschließlich Mangroven sowie Moor- und Süßwasser-Sumpfwäldern verbreitet und entfernen sich selten mehr als einen Kilometer vom Ufer.
Hauptnahrung der Nasenaffen sind energiearme Blätter, unreife Früchte und Samen. Nur gelegentlich fressen sie Baumrinde oder Termitennester. Ein Bezoar genannter Magenstein, ein Gemisch aus verschluckten Haaren, Pflanzenfasern und Speichel, ermöglicht ihnen, auch Blätter zu fressen, die für viele andere Arten ungenießbar sind.
Wie viele Nasenaffen es auf Borneo insgesamt noch gibt ist nicht bekannt. Nach Angaben der IUCN gibt es in Sarawak weniger als 10.000 Nasenaffen (2019). In Sabah gibt es noch ca. 6.000 Individuen (Stand 2008). In Brunei gibt es nur noch eine Population. Aus Indonesien gibt es keine aktuellen Zahlen. 2004 wurde ihre Anzahl auf 25.000 geschätzt.
Die Populationen der Nasenaffen gehen in vielen Gebieten dramatisch zurück. Gründe dafür sind insbesondere der Verlust von Lebensraum und die Jagd. Ihr Lebensraum schrumpfte zwischen 2005 und 2015 schätzungsweise um fast 30 Prozent (beinahe 900.000 Hektar).
Die Art steht auf ganz Borneo unter nationalem Schutz. Trotzdem gefährden Wilderei und Zerstörung des Lebensraums das Überleben der Nasenaffen. Nasenaffen sind in Anhang I des Washingtoner Artenschutzübereinkommens CITES gelistet Auf der Roten Liste der Weltnaturschutzunion IUCN werden sie als stark gefährdet eingestuft.
Die Bedrohungsfaktoren Hauptbedrohung für die Nasenaffen ist der Verlust und die Fragmentierung ihres Lebensraums. Die ursprünglichen Lebensräume der Nasenaffen sind die am stärksten entwickelten Gebiete Borneos: Die meisten Menschen leben entlang der Flüsse, die meisten großen Städte liegen in der Nähe der Flussmündungen, und die meisten groß angelegten Landwirtschafts- und Aquakulturprojekte finden sich in den Küsten- und Schwemmlandgebieten.
Die Nasenspitze, der Nasenrücken und die Lippen sind rot. Das Fell im Gesicht ist dunkelbraun mit Graugrün, Gelb und Weiß. Der Po ist ebenfalls unbehaart und grellrot. Das leuchtend bunte Gesicht und der farbige Po sind typisch für die Mandrills. Sie gehören zu den größten Affen.
Mandrills sind in Zentralafrika zuhause. Sie leben in Kamerun, Äquatorialguinea, Gabun und Kongo. Mandrille sind tagaktiv. Sie leben für gewöhnlich in Gruppen von etwa 20 Tieren zusammen, bilden aber auch manchmal größere Herden. Das Männchen, das die kräftigsten Farben hat, führt die Gruppe an. Tagsüber bewegen sie sich hauptsächlich am Boden.
Mandrills haben einen sehr kräftigen, muskulösen Körper. Männchen und Weibchen unterscheiden sich sehr stark - von allen Primatenarten am meisten. Während die männlichen Tiere ein Gewicht von 20-30 kg haben, wiegen die weiblichen nur knapp die Hälfte, also 10-15 kg. Die Männchen haben eine Körperlänge von 70-95 cm.
Mandrille haben leuchtend blaue und lila Backen, knallrote Nase und Lippen und olivgrüne bis goldene Haare im Fell.
Mandrills sind Allesfresser. Am liebsten fressen sie aber Früchte, Samen, Blätter und Pilze.
Hochrangige, kräftige Männchen besitzen sehr auffällige, leuchtende Farben, weil sie mehr Testosteron (= ein Hormon) haben. Das gefällt den weiblichen Tieren. Es zeigt ihnen, dass das Männchen gesund und eine gute Wahl für das Zeugen von Nachkommen ist. Das bunteste Männchen ist auch meistens der Anführer der Gruppe.
Die natürlichen Feinde des Mandrills sind Leoparden und Felsenpythons. Wie viele Mandrille es noch gibt, ist unbekannt. In Kamerun und Äquatorialguinea werden die Tiere stark bejagt, um ihr Fleisch zu essen (sogenanntes „Buschfleisch“). Ein weiteres großes Problem ist die Zerstörung ihres Lebensraums, also der Regenwälder.
Mandrill mit seiner bunten Färbung
Der Rhesusaffe ist wohl die bekannteste Makakenart. Er ist nicht gefährdet und wird auch kaum als Botschafter für Natur- und Artenschutzprojekte eingesetzt.
Rhesusaffen zeigen einen deutlichen Geschlechtsdimorphismus: Männchen erreichen eine Kopf-Rumpflänge bis 66 cm, eine Schwanzlänge bis 31 cm und ein Gewicht bis 14.1 kg, Weibchen eine Kopf-Rumpflänge bis 58 cm, eine Schwanzlänge bis 28 cm und ein Gewicht bis 10 kg. Bei den Weibchen färben sich die äußeren Genitalien während des Östrus rot. Auch ihr Gesicht und die Zitzen sind während dieser Zeit intensiver gefärbt.
Der Rhesusaffe besiedelt die unterschiedlichsten Waldtypen, geht auf Agrarland und, wo er nicht bejagt wird, in menschliche Siedlungen. Die Höhenverbreitung reicht vom Tiefland bis auf etwa 4'000 m. Die Tiere sind tagaktiv und auf Bäumen ebenso zuhause wie am Boden. Sie bilden größere Rudel mit Tieren beiderlei Geschlechts, wo sie gefüttert werden von rund 30 Individuen, wo dies nicht der Fall ist bis über 100.
Rhesusaffen sind ausgesprochene Kulturfolger, die sich nicht nur im Kulturland, sondern auch in Siedlungen und gar in Großstädten eingebürgert haben. Durch offene Fenster dringen sie stehlend in Wohnungen oder Autos ein und bedienen sich an Marktständen mit Obst und Gemüse.
Die Fortpflanzung der Rhesusaffen verläuft saisonal. Paarungszeit ist im Herbst-Winter, die Geburten fallen auf Frühling-Sommer. Nach einer Tragzeit von im Mittel 166 (133-200) Tagen gebären die Weibchen in der Regel ein einzelnes, Junges mit einem Geburtsgewicht von im Mittel 476 g bei weiblichen und 503 g bei männlichen Individuen.
Der Rhesusaffe ist eine weit verbreitete und lokal häufige Art. Er kann verschiedene Lebensräume nutzen und lebt auch häufig in oder nahe von Siedlungen. Dies kompensiert teilweise die Verluste von natürlichen Lebensräumen. Er gilt deshalb aufgrund einer Beurteilung aus dem Jahr 2015 nicht als gefährdet (Rote Liste: LEAST CONCERN).
Hoch oben in den Qin-Ling-Bergen in Zentralchina hat eine ganz eigentümliche Affenart die raue Landschaft erobert: die Goldstumpfnase. Hier, in fast 3.000 Meter Höhe, lebt der Rest einer einst weit verbreiteten Population. Ihr Siedlungsgebiet ist seit der letzten Eiszeit vor rund 11.000 Jahren dramatisch geschrumpft - neuerdings auch durch den Klimawandel. Die verbliebenen Gruppen leben in Rudeln mit manchmal mehr als 400 Tieren.
Von den goldenen gibt es weltweit noch etwa 20000 Tiere. Ihr zoologischer Name Rhinopithecus roxellana soll angeblich an die stupsnäsige Konkubine eines Sultans aus dem 16. Jahrhundert erinnern.
Wenn die Bäume keine Blätter tragen, fressen die Affen Flechten und junge Rinde. Natürliche Feinde wie den Nebelparder wehren sie gemeinsam ab.
Die Männchen steigen entweder dadurch auf, dass sie mehrere Partnerinnen haben, oder indem sie „Mut und Beharrlichkeit“ zeigen, wie der Biologe Qi Xiao-Guang sagt. Zu Konflikten kann es kommen, wenn sich die Reviere der Rudel überschneiden. Dann sind die Männchen gefragt, das Territorium der Gruppe zu verteidigen. Die zur Schau gestellte Aggression ist in der Regel aber - vor allem zum Selbstschutz - mehr Imponiergehabe.
Goldstumpfnase in den Qin-Ling-Bergen
Die Geschichte eines ganz besonderen Orang-Utans geht um die Welt. Das etwa fünfjährige Weibchen wurde erst Ende April von BOS aus illegaler Gefangenschaft befreit. Zwei Tage musste es dort ausharren. Die Kleine zeigt noch deutlich wildes Verhalten. Mit fünf Jahren sind Orang-Utans noch von ihrer Mutter abhängig, der sie insgesamt bis zu acht Jahre lang durch die Baumwipfel folgen. Wie so viele seiner Art wird auch dieser junge Orang-Utan Traumatisches durch den Verlust seiner Mutter erlitten haben.
Nun wird Alba, wie sie nach einer internationalen Namenskampagne genannt wird, in der Schutzstation Nyaru Menteng der BOS Foundation gesund gepflegt und wieder aufgepäppelt. Allerdings liegen die Dinge in diesem Fall etwas komplizierter: Dieser Orang-Utan ist ein Albino. Albas Haut, ihrem Fell und ihren Augen fehlt das Farbpigment Melanin. Ein genetischer Defekt, der auch bei anderen Tieren und auch bei Menschen vorkommt, hat zu dieser sehr selten anzutreffenden Mutation geführt. In 25 Jahren Praxis ist dies für die BOS Foundation der erste Fall eines albinotischen Orang-Utans.
Dementsprechend liegen unseren Fachleuten auch keinerlei Erfahrungen vor. So hat BOS Deutschland zum Beispiel bei Prof. Dr. Barbara Käsmann-Kellner um eine Ferndiagnose gebeten. Die Humanmedizinerin, eine bekannte Kapazität für Albinismus und Augenheilkunde, hat sich sehr dankenswerterweise umgehend mit den Veterinären der BOS Foundation in Verbindung gesetzt. Ihre außergewöhnliche Patientin ist immerhin so menschenähnlich, dass wahrscheinlich sogar Seh-Tests an Kleinkindern, die noch nicht sprechen können, als Vorlage dienen können.
Sie schrieb: „Ich bin ziemlich sicher, dass ein Test für kleine Kinder auch bei einem jungen Orang-Utan gut durchführbar ist und dass man so feststellen kann wie gut sie sieht bzw. Das junge Weibchen leidet offenbar unter sogenanntem okulokutanen Albinismus, also der Spielart, bei der sowohl Augen als auch Haut und Haare vom Melaninmangel betroffen sind. (Die andere Spielart wäre okularer Albinismus, der lediglich die Augen betrifft.) Zum Glück sind zumindest die Augen nicht völlig pigmentfrei; sie sind blau und nicht rot wie bei vollständigem Albinismus.
Der BOS Foundation stellt sich nun vor allem die Frage, welche Überlebenschancen Alba voraussichtlich haben wird, das heißt ob man sie guten Gewissens je wieder wird auswildern können. Natürliche Fressfeinde haben gesunde, erwachsene Borneo-Orang-Utans so gut wie keine, so dass die bessere Sichtbarkeit des weißen Fells langfristig wohl eher kein Problem darstellt. Allerdings unterliegt Alba durch ihre sehr helle Haut unter der Tropensonne wahrscheinlich einem verstärkten Hautkrebsrisiko. Dazu kommt die Frage, wie ihre Artgenossen auf ihre so andersartige Erscheinung reagieren. Wird sie dennoch akzeptiert oder vielmehr ausgegrenzt oder gar attackiert?
Aktuell konzentrieren sich die Untersuchungen allerdings auf ihre Augen. Bei Albinismus sind diese nicht nur sehr lichtempfindlich, sondern überhaupt oft in ihrer Sehstärke herabgesetzt. Manchmal sind die Sehnerven dergestalt in Mitleidenschaft gezogen, dass das betroffene Tier (oder auch der betroffene Mensch) die visuellen Eindrücke beider Augen nicht richtig auseinander halten kann. Auch die Fähigkeit, scharf zu sehen, ist mitunter eingeschränkt. Hinzu kann ein mehr oder weniger ausgeprägter Strabismus (Schielen) kommen, der besonders das räumliche Sehen beeinträchtigt. Orang-Utans orientieren sich wie alle Primaten ganz wesentlich visuell, schließlich müssen sie perfekt in den Baumkronen zurechtkommen. Die Frage nach dem Sehvermögen ist daher essentiell.
In jedem Fall ist Alba, unser neuester Zögling, eine ganz außergewöhnliche Botschafterin ihrer Art. Nicht umsonst wurde sie so genannt, denn „Alba“ bedeutet auch Sonnenaufgang.
Tabelle: Vergleich der vorgestellten Affenarten
| Affenart | Lebensraum | Besondere Merkmale | Gefährdungsstatus |
|---|---|---|---|
| Nasenaffe | Borneo | Markante Nase bei Männchen | Stark gefährdet |
| Mandrill | Zentralafrika | Bunte Färbung | Unbekannt |
| Rhesusaffe | Asien | Anpassungsfähig, Kulturfolger | Nicht gefährdet |
| Goldstumpfnase | China | Leben in großer Höhe | / |
| Albino-Orang-Utan | Borneo | Albinismus | / |
tags: #Affe #ohne #Haare #Arten
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