Siebzehn Jahr, blondes Haar: Eine Analyse des Udo Jürgens Hits

SIEBZEHN JAHR, BLONDES HAAR ist ein Lied, das untrennbar mit dem Namen Udo Jürgens verbunden ist. Der Schlager, der im Sommer 1965 erschien, markierte den ersten großen Hit des Sängers und Komponisten in Deutschland und sollte den Grundstein für eine außergewöhnliche Karriere legen.

Entstehung und Hintergrund

Das Lied entstand während Jürgens' Zeit bei Polydor, dem Pop-Label der Deutschen Grammophon, wo er zwischen 1956 und 1962 unter Vertrag stand. Da das Label über Hauskomponisten und ‑texter verfügte, die die Interpreten mit Material versorgten, hielt man nichts von seiner Idee, eine Eigenkomposition zu singen. Das führte schließlich zum Bruch mit Polydor und Jürgens wechselte zur Deutschen Vogue.

Udo Jürgens erklärte zur Entstehung des Liedes, dass er zusammen mit Thomas Hörbiger auf der Münchner Leopoldstraße im Auto unterwegs gewesen sei, wobei ihnen eine blonde Schönheit aufgefallen sei. Wie auf Stichwort sollen da von beiden die Worte gefallen sein „Siebzehn Jahr, blondes Haar“, womit die Titelzeile geboren war. Anschließend hätten sie den Text spontan zusammen niedergeschrieben.

Erschienen ist SIEBZEHN JAHR, BLONDES HAAR, produziert von Udo Jürgens selbst, mit der Jürgens-Komposition „So wie eine Rose“ (Text: Carl-Ulrich Blecher) als B-Seite im August 1965 als Singleauskopplung aus seinem ersten Album Porträt in Musik.

Die oft kolportierte Behauptung von einer seiner unehelichen Töchter, Sonja Jürgens (*1966), das Lied sei für ihre Mutter geschrieben worden, mit der er 1975 für einen One-Night-Stand in Wien zusammen war, gehört ins Reich der Boulevard-Mythen.

Internationale Erfolge

Die italienische Fassung „Diciotto anni, capelli biond“ (Text: Vita Pallavicini) war schon im Juni erschienen und wurde noch erfolgreicher als das Original. Auch die 1966 erschienene französische Fassung „Si“ (Text: Jacques Chaumelle) übertraf das Original.

Musikalische Analyse

SIEBZEHN JAHR, BLONDES HAAR ist der erste Song Udo Jürgens, der erahnen lässt, in welche Richtung sich sein Liedschaffen entwickelte. Ihm ist es mit einem feinen Gespür gelungen, die sehr deutsche und traditionsbehaftete Gattung Schlager musikalisch mit der in Frankreich beheimateten Chansontradition zusammenzuführen.

SIEBZEHN JAHR, BLONDES HAAR greift mit seinem stampfenden Motown-Rhythmus die Naivität und Unbeschwertheit, den unbelasteten Optimismus und Lebenshunger einer Generation auf, die 20 Jahre nach Kriegsende erwachsen zu werden beginnt und als erste Nachkriegsgeneration die Bühne des Zeitgeschehens betritt. Musikalisch ist das Lied noch weitgehend in der Schlagertradition verhaftet, nur der Text, der auf die schlagertypische pseudointime Adressierung des Hörers verzichtet und einem erzählenden Gestus mit Ansätzen zur Selbstreflexion, etwa in der an sich selbst gerichteten Frage „… wie find ich zu ihr“, verpflichtet ist, nimmt die spätere Entwicklung von Jürgens Liedschaffens vorweg.

Den zwei Textstrophen mit dem eingängigen Refrain entspricht eine symmetrisch gebaute Songarchitektur, die aus einem 16-taktigen Abschnitt für die Strophe und einem ebenfalls 16-taktigen Abschnitt für den Refrain besteht. Beide gliedern sich in vier viertaktige Segmente, die aus jeweils zwei zweitaktigen Motiven gebildet sind. Das läuft dem statischen Grundrhythmus des Liedes entgegen und bringt Bewegung in den Song.

Die zweite Textstrophe wiederholt mit ihrem Refrain den musikalischen Ablauf der ersten Strophe, aber nun um einen Halbton nach oben verschoben, von C-Dur nach Des-Dur, was einen recht drastischen harmonischen Kontrast ergibt. Das Arrangement folgt mit seinen satten Bläser- und Streichersätzen und dem üppig eingesetzten Background-Chor einer Konvention, die als „Festival-Sound“ bekannt geworden ist, wie man ihn von den Shows großer Schlagerfestivals kennt.

Harmonische Besonderheiten

Und auch die Harmonik stellt die Melodie immer wieder in einen anderen klanglichen Kontext. So springt die Tonart am Ende der Strophe mit dem wiederholten „sie / sah ich sie___sie“ von C-Dur nach A-Dur, indem das e das Melodietons, eigentlich die Terz der Grundtonart, bei der Wiederholung des „sie“ nun als Grundton eines E-Dur-Akkords, also als Dominante des nachfolgenden A-Dur, also der Mediante zu C-Dur, gedeutet wird. Und noch ein harmonischer Kunstgriff gibt diesem einfach gebauten Lied, dem noch sechs Takte Einleitung vorangestellt sind, die den Refrain instrumental vorwegnehmen, eine Besonderheit.

Chartplatzierungen und Coverversionen

SIEBZEHN JAHR, BLONDES HAAR gehört mit über 300 Veröffentlichungen in diversen Tonträgerformaten zu den erfolgreichsten Liedern von Udo Jürgens. In den deutschen Single-Charts erreichte es Platz vier und hielt sich insgesamt elf Wochen in den Charts. In der österreichischen Heimat des Sängers gelangte es auf Platz 6 und hielt sich hier 16 Wochen in den Charts.

Cover-Versionen, die sich allerdings eher uninspiriert an den Erfolg des Originals anzuhängen suchten, entstanden schon kurz nach seiner Veröffentlichung, etwa von dem Orchester James Last 1965, den Gisha Brothers 1966, dem britischen Hammondorgel-Virtuosen Will Horwell 1966 oder Günther Gürsch und seinen Akkordeon-Rhythmikern 1967.

In den folgenden Jahrzehnten nahm Udo Jürgens den Titel mehrmals neu auf. So erschien 1974 auf dem Album Die Großen Erfolge - Herzlichst Udo Jürgens eine Neuaufnahme, die schon 1972 entstanden war. 1977 nahm Jürgens eine Disco-Version für das Album Meine Lieder ’77 auf. 2006 erschien eine Live-Version mit Udo Jürgens solo, sich selbst am Klavier begleitend.

Hier eine Tabelle mit einigen bekannten Coverversionen:

Interpret Jahr
James Last and His Orchestra 1965
The Gisha Brothers 1966
Will Horwell 1966
Günther Gürsch und seine Akkordeon-Rhythmiker 1967

Siebzehn Jahr, blondes Haar - AMX 5 Min. Drive-In [GER/ITA] 1966

Udo Jürgens: Mehr als nur ein Schlagerstar

Udo Jürgens war eine der bedeutsamsten deutschsprachigen Persönlichkeiten des Show-Business im 20. Und 21. Jahrhundert. Wir haben ihm wundervolle Konzerte, Hymnen und Erinnerungen zu verdanken. Zu seinem zehnten Todestag (21.12.) eine Auswahl von zehn nicht so bekannten Fakten über den österreichischen Entertainer:

  1. „Je t'aime“ 1950 Den ersten großen Erfolg feierte Udo Jürgens 1950 mit kaum 16 Jahren: Er gewann gegen 400 gestandene Komponisten einen Wettbewerb des Österreichischen Rundfunks. Sein Lied „Je t'aime“ kam auf den ersten Platz.
  2. Udo Bolan 1951 Mit seinem bürgerlichen Namen Jürgen Udo Bockelmann sah er wenig Chancen im Showgeschäft. So legte er sich zunächst den Künstlernamen Udo Bolan zu, und tingelte mit seiner Udo-Bolan-Band durch Gasthöfe. Für den ersten Auftritt erhielt er nach eigenen Angaben umgerechnet weniger als 50 Cent.
  3. Sammy Davis Jr. 1978 Der US-Entertainer Sammy Davis Jr. nimmt bei einem Konzert in München 1978 einen von Udo Jürgens mitgeschriebenen Song als Schlusslied: „If I Never Sing Another Song“- „Das war das größte“, sagte Jürgens Jahre später der „Süddeutschen Zeitung“. „Da war ich mir sicher, dass ich es geschafft habe.“ Sammy Davis Jr (1925-1990) trug das Lied bei seinen Konzerten fortan stets als Zugabe vor.
  4. Bing Crosby 1980 Mit „Griechischer Wein“ landete Udo Jürgens 1975 den Hit des Jahres. Ein Jahr später adelte der große US-Sänger Bing Crosby (1903-1977) den Sängerkollegen mit einer Cover-Version „Come Share the Wine“ - es war dessen letzte Studio-Aufnahme.
  5. Die Angst vor dem Flügel 2008 Udo Jürgens war ohne Klavierflügel kaum vorstellbar, seine Zugaben daran im weißen Bademantel waren legendär. Das mit dem Flügel war aber keine Liebe auf den ersten Blick, wie er 2008 der TV-Moderatorin Susan Stahnke sagte: „Als kleiner Junge hatte der Flügel etwas Bedrohliches, er hat mich ein bisschen an einen Sarg erinnert“, sagte er. Aber mit elf Jahren habe er heimlich mal auf dem Flügel zu Hause geklimpert, „und ich habe die unerhörte Faszination von Tönen auf mich wirken lassen“, sagte er.

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